Welche Brainstorming Methode bringt wirklich neue Ideen? Die wirksamsten Runden trennen zwei Schritte sauber: erst still und schriftlich sammeln (Brainwriting, 6-3-5-Methode, Crazy Eights), dann gemeinsam clustern und bewerten. Reines Zuruf-Brainstorming liefert nachweislich weniger Ideen als dieselbe Zahl Leute, die zuerst einzeln sammelt. Mind Maps und digitale Whiteboards wie Miro, Conceptboard oder XMind sind dabei das Ordnungswerkzeug, nicht die Methode.
Die meisten Brainstormings scheitern nicht an fehlender Kreativität. Sie scheitern daran, dass sechs Leute in einem Raum sitzen, einer redet, fünf warten - und am Ende steht ein volles Whiteboard, aus dem nie ein Redaktionsplan wird.
Hier stehen 14 Methoden mit Gruppengröße, Dauer und Einsatzzweck, ein Tool-Vergleich mit geprüften Preisen und eine Session-Anleitung für 30 Kurzvideo-Ideen in 90 Minuten.
Als Social-Media-Agentur produzieren wir Monat für Monat Content für Kunden aus Norddeutschland. Der Schwerpunkt liegt deshalb auf dem Teil, den kaum ein Ratgeber beschreibt: dem Übergang von der Methode zur Content-Säule zum fertigen Plan.
Die vier Grundregeln des Brainstormings nach Osborn
Alex Osborn, Werbefachmann und das O in BBDO, prägte den Begriff 1953 in seinem Buch „Applied Imagination“. Er formulierte vier Regeln, die bis heute die Grundlage jeder Ideenrunde sind - nachgezeichnet in der Aufarbeitung von Heather Besant (Regent University, Journal of Transformative Innovation, 21.08.2026):
- Kritik wird vertagt. In der Sammelphase wird keine Idee bewertet oder relativiert. Kein „Ja, aber“.
- Quantität vor Qualität. Osborns Annahme: Aus vielen Ideen entstehen gute Ideen. Die 50. Idee ist statistisch interessanter als die dritte.
- Wilde Ideen sind erwünscht. Eine unrealistische Idee lässt sich abschwächen. Eine zu brave lässt sich nicht nachträglich mutig machen.
- Ideen kombinieren und weiterentwickeln. Fremde Ideen sind Sprungbretter, kein fremdes Eigentum.
Was die meisten Listicles auslassen: Diese vier Regeln machen aus einer Gruppendiskussion noch keine produktive Runde. Michael Diehl und Wolfgang Stroebe haben 1987 in vier Experimenten untersucht, warum echte Brainstorming-Gruppen weniger Ideen liefern als gleich viele Personen, die einzeln arbeiten (Journal of Personality and Social Psychology 53(3), S. 497-509, PDF der Universität Münster, 21.08.2026). Der größte Teil des Verlusts geht nach dem vierten Experiment derselben Arbeit auf Production Blocking zurück: Weil immer nur einer sprechen kann, geht der Rest im Warten verloren.
Die Konsequenz ist einfach: Die Sammelphase läuft still und schriftlich. Erst danach wird geredet.
14 Brainstorming Methoden im Überblick
Die Angaben zu Gruppengröße und Dauer sowie die weiter unten genannten Ideenmengen sind Erfahrungswerte aus unseren eigenen Sessions und Projekten, keine Erhebung.
| Methode | Gruppengröße | Dauer | Wofür sie taugt |
|---|---|---|---|
| Klassisches Brainstorming | 4-7 | 20-30 Min | Breiter Einstieg in eine offene Frage |
| Brainwriting | 4-8 | 10-15 Min | Wenn Hierarchie oder Vielredner die Runde dominieren |
| 6-3-5-Methode | genau 6 | ca. 30 Min | Strukturierte Masse: bis zu 108 Rohideen |
| Mind Mapping | 1-5 | 15-45 Min | Thema strukturieren, Lücken sichtbar machen |
| SCAMPER | 1-6 | 30-45 Min | Bestehendes Format oder Produkt variieren |
| Osborn-Checkliste | 1-6 | 30-60 Min | Systematisch durchfragen, wenn nichts mehr kommt |
| Walt-Disney-Methode | 3-8 | 45-90 Min | Eine Idee bis zur Umsetzbarkeit durchspielen |
| Sechs Denkhüte | 4-8 | 45-60 Min | Bewerten, ohne dass Lager entstehen |
| Kopfstandtechnik | 3-10 | 20-30 Min | Festgefahrene Runden wieder in Gang bringen |
| Reizwortanalyse | 1-8 | 15-30 Min | Wenn alle Ideen gleich klingen |
| Crazy Eights | 3-8 | 8 Min + Vorstellung | Schnelle visuelle Varianten, Tempo erzwingen |
| How Might We | 3-10 | 15-20 Min | Vages Thema in bearbeitbare Fragen übersetzen |
| Morphologischer Kasten | 1-5 | 45-60 Min | Vollständige Kombinatorik statt Zufallstreffer |
| Brainwalking | 6-20 | 20-40 Min | Große Gruppen, alle schreiben parallel |
Klassisches Brainstorming
Eine offene Frage, ein Moderator, alle rufen zu, jemand schreibt mit. Taugt als Aufwärmer. Der Moderator hat genau eine Aufgabe: jede Bewertung sofort unterbinden. Wegen des Production Blocking nie als einzige Methode einsetzen.
Brainwriting
Dieselbe Frage, aber alle schreiben still auf Karten oder ins gemeinsame Board. Danach wird vorgelesen und geclustert. Die einfachste Korrektur für alles, was am klassischen Brainstorming stört: Der Chef prägt die Runde nicht, niemand wartet, Stille liefern gleich viel wie Laute.
Die 6-3-5-Methode Schritt für Schritt
Bernd Rohrbach beschrieb sie im Oktober 1969 in der Zeitschrift „Absatzwirtschaft“. Sie ist Brainwriting mit fester Choreografie:
- Sechs Teilnehmer sitzen im Kreis. Jeder bekommt ein Blatt mit 18 Kästchen: drei Spalten, sechs Zeilen (Hochschule Osnabrück, LearningCenter, 21.08.2026).
- Jeder schreibt drei Ideen in die erste Zeile - eine pro Spalte.
- Nach der Schreibzeit (drei bis fünf Minuten) wandert das Blatt im Uhrzeigersinn weiter.
- Der Nächste liest die drei Ideen und schreibt in die nächste Zeile drei eigene: Varianten, Gegenentwürfe, Weiterentwicklungen.
- Das Blatt wird fünfmal weitergegeben, es gibt also sechs Durchgänge.
Rechnerisch entstehen 6 x 3 x 6 = 108 Ideen in rund 30 Minuten, viele davon Dubletten - die Clusterphase danach ist Pflicht. Zu den Ziffern: 6 Teilnehmer, 3 Ideen, 5 Weitergaben. Die verbreitete Lesart „5 Minuten“ meint die Rundenzeit, nicht die Namensgebung; das Arbeitsblatt der Hochschule Osnabrück (21.08.2026) empfiehlt, die Bearbeitungszeit an der Komplexität der Aufgabe auszurichten.
Mind Mapping
Zentraler Begriff in die Mitte, Hauptäste für die Teilthemen, Nebenäste für Details. Mind Mapping ist keine Ideenquelle, sondern ein Ordnungsverfahren: Es zeigt, welcher Ast dicht bewachsen ist und welcher leer bleibt. Die leeren Äste sind die interessanten Stellen. Ab sechs Leuten wird die Map unübersichtlich.
SCAMPER
Sieben Impulsfragen zu einer bestehenden Sache: Substitute (ersetzen), Combine (kombinieren), Adapt (anpassen), Modify (verändern), Put to another use (anders nutzen), Eliminate (weglassen), Reverse (umkehren). Bob Eberle leitete die Merkhilfe 1971 aus Osborns Fragenkatalog ab. Die Methode der Wahl, wenn nicht das weiße Blatt das Problem ist, sondern ein Format, das langweilig geworden ist.
Osborn-Checkliste
Die Langfassung, aus der SCAMPER entstanden ist: Osborns Idea-Spurring-Checklist mit deutlich mehr Fragen. Zäher, aber gründlicher. Nimm sie, wenn SCAMPER durch ist und die Runde weitermachen soll.
Walt-Disney-Methode
Robert Dilts benannte die Technik in den 1990ern nach Walt Disneys Arbeitsweise. Drei Rollen nacheinander, idealerweise an drei Plätzen im Raum: Der Träumer entwirft ohne Rücksicht auf Machbarkeit, der Realist übersetzt in Schritte, Ressourcen und Termine, der Kritiker sucht Schwachstellen - an der Umsetzung, nie an der Person. Keine Sammeltechnik, sondern ein Härtetest für Ideen, die schon auf dem Tisch liegen.
Sechs Denkhüte
Edward de Bono beschrieb das Modell 1985. Sechs Farben, sechs Denkrichtungen: Weiß für Fakten, Rot für Gefühl, Schwarz für Risiken, Gelb für Chancen, Grün für neue Ideen, Blau für die Moderation (de Bono Group, 21.08.2026). Entscheidend ist, dass alle gleichzeitig denselben Hut tragen. Damit fällt der Grabenkampf zwischen Optimisten und Bedenkenträgern weg.
Kopfstandtechnik
Auch Umkehrmethode. Statt „Wie bekommen wir mehr Reichweite auf LinkedIn?“ fragst du: „Wie sorgen wir dafür, dass unsere Posts garantiert niemand sieht?“ Die Antworten kommen schnell, weil sie erlaubt sind. Danach drehst du jede um. Der zuverlässigste Rettungsanker für eine tote Runde.
Reizwortanalyse
Ein zufälliges Wort wird gezogen und mit der Fragestellung verknüpft. „Leuchtturm“ und „Recruiting-Video“ ergibt Orientierung, weithin sichtbar sein, Nachtschicht. Der Zweck ist rein mechanisch: Das Zufallswort bricht die eingefahrenen Assoziationsketten auf, in denen jede Runde nach 15 Minuten steckt.
Crazy Eights
Aus dem Design Sprint von Jake Knapp bei Google Ventures. Ein Blatt wird achtmal gefaltet, jeder skizziert acht verschiedene Ideen in acht Minuten - nicht acht Varianten einer Idee, sondern acht Ansätze (Google Design Sprint Kit, 21.08.2026). Der Zeitdruck ist der Wirkstoff: Nach der dritten Skizze sind die naheliegenden Ideen aufgebraucht, ab der fünften wird es interessant. Für Video- und Thumbnail-Konzepte die schnellste Methode überhaupt.
How Might We
Min Basadur entwickelte die Frageform bei Procter & Gamble, IDEO machte sie zum Standard. Sie steht vor der Ideenrunde: Ein Problem wird in mehrere „Wie könnten wir …?“-Fragen übersetzt. Aus „Unsere Reels performen nicht“ wird „Wie könnten wir in den ersten zwei Sekunden zeigen, worum es geht?“. Wie so ein Einstieg konkret aussieht, steht im Leitfaden zum Hook schreiben für Kurzvideos.
Morphologischer Kasten
Vom Astrophysiker Fritz Zwicky, der die morphologische Analyse als Verfahren für vielschichtige Problemfelder entwickelte (Swedish Morphological Society, 21.08.2026). Die Aufgabe wird in Parameter zerlegt, je Parameter listest du die Ausprägungen in einer Spalte. Für Kurzvideos etwa Format, Sprecher, Ort und Länge mit je vier Optionen. Jede Kombination aus einer Zelle pro Spalte ist ein Konzept, macht 256 Stück - viele davon Unsinn, aber der Weg dorthin ist lückenlos statt zufällig.
Brainwalking
Die Wandvariante für große Gruppen. An mehreren Boards hängt je eine Frage, alle laufen herum, schreiben still dazu und ergänzen an der nächsten Station, was schon dasteht. Skaliert bis in Workshop-Größe, weil niemand auf einen Redebeitrag wartet.
Mindmap- und Whiteboard-Tools 2026 im Vergleich
Stand 21.08.2026, alle Beträge je Nutzer und Monat samt Abrechnungsbasis. Miro, XMind, Whimsical und Figma rechnen auch für deutsche Kunden in US-Dollar ab, die übrigen in Euro.
| Tool | Gratis-Stufe | Preis je Nutzer und Monat | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Miro | 3 bearbeitbare Boards | 8 USD (Starter), 20 USD (Business), Jahreszahlung (Miro, 21.08.2026) | Größte Template-Bibliothek, Standard in vielen Teams | 3-Board-Limit ist im Alltag schnell erreicht |
| Conceptboard | 3 Boards, 100 Objekte je Board | ab 5 EUR (Starter), ab 10 EUR (Advanced) (Conceptboard, 21.08.2026) | Hosting in Deutschland, ISO 27001, 27017, 27018 | Kleinere Community, weniger Vorlagen |
| MindMeister | 3 Mindmaps | 6,50 EUR (Personal), 10,50 EUR (Pro), monatlich (MindMeister, 21.08.2026) | Reines Mindmap-Tool, flache Lernkurve | Kein vollwertiges Whiteboard für Workshops |
| XMind | bis zu 10 Online-Maps | 4,92 USD (Pro), 8,25 USD (Premium), monatlich (Xmind, 21.08.2026) | Beste Struktur-Ansichten, starke Desktop-App | Zusammenarbeit erst ab Pro, unbegrenzte Maps erst in Premium |
| FigJam (Figma) | im Starter-Plan enthalten, unbegrenzte Entwürfe | Collab-Seat 3 USD im Professional-Plan, monatlich (Figma, 21.08.2026) | Günstigste Team-Lizenz, direkt neben den Design-Dateien | Nur sinnvoll, wenn ihr ohnehin Figma nutzt |
| Whimsical | 3 Team-Boards | 10 USD (Pro), 20 USD (Business), monatlich, jährlich 17 % günstiger (Whimsical, 21.08.2026) | Sehr schnelle Bedienung, saubere Diagramme | Weniger Workshop-Funktionen |
| Notion | Free-Plan, 10 externe Gäste | 9,50 EUR (Plus), 19,50 EUR (Business), monatlich (Notion, 21.08.2026) | Ideen landen direkt in der Datenbank für den Plan | Kein echtes Whiteboard, visuelles Clustern fehlt |
| Canva | großer Gratis-Umfang | 12 EUR (Pro) oder 110 EUR im Jahr, 17 EUR (Business), Stand 04/2026 | Whiteboard und Grafikproduktion in einem Konto | Als reines Denkwerkzeug überladen |
Eine Einschränkung: Die Canva-Preise stammen aus einer Fachmeldung von April 2026, alle anderen Werte direkt von den Preisseiten.
Die ehrliche Einordnung: Für die reine Ideenrunde brauchst du meist keine Lizenz. Drei Gratis-Boards reichen für ein Quartal, wenn du nach jeder Session exportierst. Geld kostet erst der Dauerbetrieb - das Archiv aus 20 Boards, die Vorlagen, die Rechteverwaltung. Ist Datenverarbeitung in Deutschland dagegen eine harte Vorgabe (Banken, Sparkassen, öffentliche Auftraggeber), wird die Auswahl klein, und Conceptboard bleibt oft als Einziges übrig.
Von der Methode zur Content-Säule
Eine Ideensammlung ist noch kein Content-Plan. Genau hier brechen die meisten Unternehmen ab: Das Board ist voll, alle sind zufrieden, drei Wochen später postet trotzdem niemand.
Wir arbeiten deshalb mit einer festen Kette aus vier Schritten:
1. Frage statt Thema. Nicht „Ideen für Social Media“, sondern drei bis fünf How-Might-We-Fragen, abgeleitet aus dem, was der Vertrieb im Erstgespräch tatsächlich hört.
2. Rohideen still sammeln. 6-3-5 oder Brainwriting, je nach Gruppengröße. Kein Zuruf, keine Bewertung.
3. Clustern zu Content-Säulen. Alle Rohideen auf drei bis fünf Säulen verteilen, etwa Expertise, Team, Kundenergebnis, Haltung. Eine Säule, die weniger als fünf Ideen anzieht, ist eine Einzelidee und fliegt raus. Wie Säulen in eine Content-Strategie passen, steht separat.
4. In den Redaktionsplan überführen. Jede Idee bekommt Format, Länge, Drehort und Slot. Wie dieser Schritt sauber aussieht, steht im Leitfaden zu Redaktionsplan und Contentkalender.
Aus der Praxis: Bei meinem CEO-Account @ambastious sind in fünf Monaten 1,4 Millionen Reach entstanden, von null und ohne Ads. Beim TikTok-Projekt der Förde Sparkasse waren es 9 Millionen Reach in zwölf Monaten. Über 200 Kampagnen später ist meine Einschätzung eindeutig: Der Engpass ist nie die Kreativität, sondern der Übergang von der Liste zum Kalender. - Sebastian Wiercinski, Geschäftsführer FUTRIZE
Der zweite Punkt, an dem Ideen sterben: Sie sind zu abstrakt für die Produktion. „Mehr Einblicke ins Team“ ist eine Kategorie. „Zwei Monteure erklären in 30 Sekunden, warum sie den Blitzschutz zweimal prüfen“ ist eine Idee - die kannst du am Donnerstag drehen. Ab Konzeptreife macht ein Storyboard daraus eine Drehanweisung.
Beispiel-Session: 30 Kurzvideo-Ideen in 90 Minuten
Ausgelegt auf vier bis sechs Personen aus Vertrieb, operativem Geschäft und Marketing. Ein digitales Board, ein sichtbarer Timer, ein Moderator, der nicht mitmacht.
Minute 0-10: Fragen bauen (How Might We). Drei bis fünf Fragen aus echten Kundenfragen der letzten Erstgespräche ableiten, per Punktabfrage die zwei stärksten wählen.
Minute 10-25: Still sammeln (Brainwriting). Jeder schreibt allein zu Frage 1, so viel wie möglich. Kein Reden. Wer früher fertig ist, schreibt weiter.
Minute 25-55: 6-3-5 auf die zweite Frage. Sechs Blätter, drei Ideen, fünf Weitergaben; zu viert die Blätter zweimal durchlaufen lassen. Am Ende liegen 60 bis 100 Rohnotizen vor.
Minute 55-65: Kopfstand als Nachschlag. „Wie machen wir garantiert das langweiligste Video unserer Branche?“ Fünf Minuten sammeln, fünf Minuten umdrehen. Diese Runde liefert erfahrungsgemäß die Ideen, die sich am deutlichsten vom Wettbewerb abheben.
Minute 65-80: Clustern. Alles auf drei bis fünf Content-Säulen verteilen, Dubletten zusammenfassen. Aus 60 bis 100 Rohnotizen bleiben nach unserer Erfahrung 30 bis 40 unterscheidbare Konzepte.
Minute 80-90: Priorisieren und terminieren. Zwei Kriterien reichen: Wie schnell drehbar? Wie relevant für die Zielgruppe? Die zehn besten Ideen bekommen sofort einen Termin, der Rest bleibt als Backlog stehen.
Checkliste für die Vorbereitung:
- Fragestellung steht vor der Session fest, nicht erst im Termin
- Timer für alle sichtbar, Handys außer Reichweite
- Moderator moderiert und liefert keine eigenen Ideen
- Board vorbereitet: eine Fläche für Rohideen, eine für Cluster, eine für den Kalender
- Termin für die Umsetzungsrunde steht, bevor die Session beginnt
Häufige Fehler: warum die meisten Brainstormings nichts bringen
1. Zu früh bewertet. Der teuerste Fehler. Sobald die erste Idee kommentiert wird, schaltet die Runde von Produzieren auf Verteidigen um. Sammeln und Bewerten gehören in getrennte Phasen.
2. Statuseffekt. Spricht die Geschäftsführung zuerst, ist alles danach Kommentar zur Chef-Idee. Gegenmittel: still und schriftlich anfangen, die Führungskraft redet als Letzte.
3. Anker-Effekt. Die erste laut ausgesprochene Idee prägt alle folgenden: Kommt zuerst ein Interview-Konzept, denken alle in Interviews weiter. Reizwortanalyse und Kopfstandtechnik brechen den Anker auf.
4. Alle reden in einer Runde. Das oben beschriebene Production Blocking. In einer sechsköpfigen Runde wartet jeder fünf Sechstel der Zeit und vergisst dabei die eigene Idee.
5. Zu früh in die KI. Der Prompt am Anfang liefert Ideen, die dein Wettbewerb genauso bekommt: KI-gestützte Texte werden einzeln kreativer bewertet, ähneln sich untereinander aber stärker (Doshi & Hauser 2024, Datensatz im Dryad Digital Repository, 12.07.2024). Erst selbst sammeln, dann ergänzen lassen.
6. Kein Anschluss. Volles Board, kein Termin - ohne Übergang in den Redaktionsplan ist die Zeit verloren. Setz die Umsetzungsrunde in den Kalender, bevor die Ideenrunde startet.
Häufige Fragen
Was ist die 6-3-5-Methode der Ideenfindung?
Die 6-3-5-Methode ist eine Brainwriting-Technik, die Bernd Rohrbach 1969 in der Zeitschrift „Absatzwirtschaft“ veröffentlicht hat. Sechs Teilnehmer schreiben je drei Ideen auf ein Blatt mit 18 Feldern, dann wird das Blatt fünfmal weitergegeben und jeder ergänzt drei weitere Ideen. Nach sechs Durchgängen liegen rechnerisch bis zu 108 Ideen vor, meist in rund 30 Minuten. Der Vorteil: Es redet niemand, also blockiert auch niemand.
Welche drei Methoden der Ideenfindung gibt es?
Man unterscheidet drei Grundtypen. Intuitive Methoden setzen auf freie Assoziation: klassisches Brainstorming, Reizwortanalyse, Kopfstandtechnik. Systematisch-analytische Methoden zerlegen das Problem in Bausteine: SCAMPER, Osborn-Checkliste, morphologischer Kasten. Rollenbasierte Methoden erzwingen einen Blickwechsel: Walt-Disney-Methode und Sechs Denkhüte. In der Praxis kombiniert man die Typen, statt sich für einen zu entscheiden.
Was sind die Grundregeln des Brainstormings?
Alex Osborn hat 1953 in „Applied Imagination“ vier Regeln formuliert: Kritik wird vertagt, Quantität geht vor Qualität, wilde Ideen sind ausdrücklich erwünscht, und fremde Ideen dürfen aufgegriffen und weitergedreht werden. Diese vier Regeln gelten bis heute. Die Forschung ergänzt sie um einen Punkt: Die Sammelphase sollte still und schriftlich laufen, sonst blockieren sich die Teilnehmer gegenseitig.
Welche Methoden gibt es, um Ideen zu sammeln?
Zum reinen Sammeln eignen sich Brainwriting, die 6-3-5-Methode, Crazy Eights, Braindumping und Mind Mapping. Alle fünf funktionieren schriftlich oder zeichnerisch und brauchen keine Diskussion. Für die Phase davor lohnt sich How Might We, um aus einem vagen Thema eine bearbeitbare Frage zu machen. Für die Phase danach braucht es Clustern und Priorisieren, sonst bleibt die Sammlung liegen.
Welches Tool eignet sich 2026 am besten zum Mindmap erstellen?
Für reine Mind Maps sind XMind und MindMeister die spezialisiertesten Werkzeuge. XMind erlaubt im Gratis-Plan bis zu 10 Online-Maps, MindMeister drei. Wer die Map als Teil einer größeren Workshop-Fläche braucht, ist mit Miro, Conceptboard oder FigJam besser bedient. Ist Datenverarbeitung in Deutschland eine harte Anforderung, ist Conceptboard mit Rechenzentren in Deutschland die naheliegende Alternative.
Wie viele Teilnehmer sind bei einem Brainstorming ideal?
Für eine moderierte Runde sind vier bis sieben Personen ein guter Korridor. Ab acht Personen kommt in einer gemeinsamen Diskussion kaum noch jeder zu Wort. Die 6-3-5-Methode ist bewusst auf sechs Teilnehmer ausgelegt. Größere Gruppen teilst du besser in Untergruppen auf oder nutzt Brainwalking, bei dem alle parallel an mehreren Stationen schreiben.
Kann KI das Brainstorming im Team ersetzen?
Nein, aber sie ist ein guter Zulieferer. Eine Studie von Doshi und Hauser in Science Advances 2024 zeigt, dass Texte mit KI-Ideen einzeln kreativer bewertet werden, sich untereinander aber stärker ähneln als Texte ohne KI. Für Content heißt das: KI hilft gegen das leere Blatt, liefert aber Ideen, die dein Wettbewerb genauso bekommt. Erst selbst sammeln, dann KI ergänzen lassen.
Fazit
Methoden sind billig, es gibt hunderte. Den Unterschied machen drei Entscheidungen: eine präzise Frage statt eines Themas, eine stille schriftliche Sammelphase statt einer Diskussionsrunde, ein fester Termin für den Übergang in den Redaktionsplan. Alles andere ist Variation.
Wenn eure Sessions immer an derselben Stelle hängen bleiben, moderieren wir die erste Runde mit und zeigen dir die Kette bis zum fertigen Plan. Was das kostet, steht offen in unserer Übersicht zu den Social Media Agentur Preisen.
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Quellen und Stand
Alle externen Belege dieses Artikels mit Herausgeber, Titel und Abrufdatum:
- Journal of Personality and Social Psychology (APA), PDF der Universität Münster: Diehl, M. & Stroebe, W. (1987): Productivity Loss In Brainstorming Groups: Toward the Solution of a Riddle, JPSP 53(3), S. 497-509, Stand 21.08.2026
- Dryad Digital Repository, Datensatz zur Studie in Science Advances: Doshi, A. R. & Hauser, O. P. (2024): Generative AI enhances individual creativity but reduces the collective diversity of novel content, Stand 12.07.2024; die Studie selbst: Science Advances, doi:10.1126/sciadv.adn5290
- Regent University, Journal of Transformative Innovation: Besant, H. (2016): Alex Osborn and The Journey of Brainstorming, Stand 21.08.2026
- Hochschule Osnabrück, LearningCenter: Engel, A. M. & Tempel, L. M.: 6-3-5-Methode zur Veranstaltungsevaluation (Arbeitsblatt), Stand 21.08.2026
- Google Design Sprint Kit: Crazy 8’s - Sketch, Stand 21.08.2026
- de Bono Group: Six Thinking Hats, Stand 21.08.2026
- Swedish Morphological Society: About Fritz Zwicky, Stand 21.08.2026
- Miro: Miro Pricing Plans, Stand 21.08.2026
- Conceptboard Cloud Service GmbH: Conceptboard Preise und Tarife, Stand 21.08.2026
- MeisterLabs / MindMeister: MindMeister Tarife und Preise, Stand 21.08.2026
- Xmind Ltd.: Xmind Pricing, Stand 21.08.2026
- Figma, Inc.: Figma Pricing, Stand 21.08.2026
- Whimsical: Whimsical Pricing, Stand 21.08.2026
- Notion Labs, Inc.: Notion Preise, Stand 21.08.2026
- giga.de: Canva-Preise, Fachmeldung vom 01.04.2026, im Artikel ohne hinterlegten Link
- Ohne Online-Quelle zitierte Fachliteratur: Osborn (1953), Applied Imagination; Rohrbach (1969), Kreativ nach Regeln - Methode 635, Absatzwirtschaft Heft 19; Eberle (1971), Games for Imagination Development; de Bono (1985), Six Thinking Hats
Die nicht extern belegten Angaben - Gruppengrößen, Zeitfenster, die Ideenmengen der Beispiel-Session und die genannten Reichweiten - stammen aus unseren eigenen Projekten, Sessions und Angeboten.




